Projekt ProTrain in Berlin-Brandenburg gestartet

Big Data optimiert Regionalverkehr

Credits: Gettyimages, Jordan Siemens | Montage
Der Zuzug in Großstädte wie Berlin führt zu einer steigenden Belastung des städtischen Verkehrs. Um die Verkehrsplanung zu optimieren, brauchen Städte und Verkehrsbetriebe präzise Daten. Deshalb haben sich acht Projektpartner, darunter Telefónica, zum Projekt ProTrain zusammengeschlossen, um mit Hilfe von zahlreichen Datenquellen den öffentlichen Nahverkehr in Berlin und Brandenburg zu optimieren. Telefónica steuert Erkenntnisse aus der Analyse anonymisierter Mobilfunkdaten bei. ProTrain wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Intrastruktur gefördert und ist auf drei Jahre angelegt.
Projektpartner: Telefónica Germany GmbH und Co OHG, DB Regio AG (Regio Nordost), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (Institut für Verkehrssystemtechnik), BLIC GmbH, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), HaCon Ingenieurgesellschaft mbH, IVU Traffic Technologies AG, predict.io GmbH
Die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr erreichen jedes Jahr neue Rekordhöhen. Steigende Einwohnerzahlen und zunehmende Pendlerverkehre, zum Beispiel im Ballungsraum Berlin, bringen die Kapazitäten im schnellen Regionalverkehr vor allem in den Stoßzeiten an ihre Grenzen. Gleichzeitig steigt die Erwartungshaltung der Fahrgäste. Sie wollen umfassende Informationen, Fahrkomfort und individuelle Angebote. Nahverkehr für Reisende im Raum Berlin-Brandenburg verbessern Ziel der acht Projektpartner von ProTrain in Berlin ist es, dass sich Fahrgäste im Bahnverkehr besser verteilen und damit vorhandene Kapazitäten optimal genutzt werden. Verkehrsbetriebe sollen auf Basis der Big-Data-Analysen die tatsächliche sowie die zu erwartende Nachfrage detaillierter bestimmen können und somit proaktiv reagieren. Reisende wiederum sollen in Echtzeit Informationen zu alternativen Verbindungen oder zu Wagen mit freien Plätzen erhalten. Das Projektteam betrachtet beispielhaft die Mobilität in Berlin und Brandenburg. Die Linien RE3 (Lutherstadt Wittenberg – Berlin – Stralsund/Schwendt) und RE5 (Wünsdorf –Waldstadt – Berlin – Rostock/Stralsund) sind repräsentativ, da sie sowohl Pendlerbeziehungen zwischen Berlin und Brandenburg als auch touristische Verbindungen zur Ostsee abdecken. Anonymisierte Mobilfunkdaten bilden Reiserouten ab Für die Analyse des Verkehrs setzt ProTrain auf das Potenzial bereits vorhandener großer Datenmengen. Telefónica steuert die Analyse anonymisierter Mobilfunkdaten bei. Diese fallen im normalen Geschäftsbetrieb von Telefónica Deutschland an und entstehen, wenn Handys, etwa beim Surfen oder Telefonieren, mit den Mobilfunkzellen kommunizieren. Telefónica anonymisiert diese Daten über ein dreistufiges und vom TÜV Saarland zertifiziertes Verfahren und entfernt jeglichen Personenbezug. Dieses Anonymisierungsverfahren wurde auch von der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit begleitet. Aus diesen Daten werden im Anschluss Bewegungsströme für verschiedene Fahrgastgruppen zu unterschiedlichen Tageszeiten berechnet.
Aus anonymisierten Daten werden Bewegungsströme für Fahrgastgruppen zu unterschiedlichen Tageszeiten berechnet.
Kombiniert werden die Mobilfunkdaten mit weiteren Datensätzen der Projektpartner. Das sind historische und aktuelle Fahrgastzähldaten je Zugwaggon, Informationen zum Bahnbetrieb, Wettereinflüsse, aktuelle Ereignisse und Veranstaltungen. ProTrain wird im Rahmen des Projektes die Nachfrage in Abhängigkeit von diesen Faktoren analysieren und vorhersagen. Zudem zielt die Untersuchung darauf ab, geeignete Kommunikationskanäle für Fahrgäste zu entwickeln. Durch die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen per App oder direkt am Bahnsteig soll den Reisenden beispielsweise ermöglicht werden, volle Züge zu umgehen. Anbieter im Nah- und Regionalverkehr werden dank der smarten Analyse großer Datenmengen in die Lage versetzt, die Verkehrsangebote und Lenkung der Reisenden insbesondere zu Stoßzeiten besser zu planen und zu optimieren. ProTrain von Bundesministerium gefördert Der Projektzeitraum ist auf drei Jahre festgelegt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Intrastruktur fördert das Projekt im Rahmen des Programms für Mobilitätsideen mFUND. Die Projektergebnisse sollen nach erfolgreichem Abschluss auf weitere Regionen in Deutschland übertragen werden. Die anonymisierten Mobilfunkdaten von Telefónica wurden bereits in Projekten zur Verkehrsplanung durch das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und zur Messung der Luftqualität in Nürnberg erfolgreich eingesetzt.