Data Debates 11 von Telefónica Deutschland und Tagesspiegel: „Wir müssen die Lust auf’s Lernen wecken“

Podiumsdiskussion im Telefónica Basecamp mit (v.li.n.re.): Jens Tönnesmann, Nicola Beer, Thomas Bachem, Nicole Gerhardt & Prof. Dr. Niels Pinkwart, Foto: Henrik Andree
Digitalisierung ist im Bildungssektor längst angekommen: Wissen wird in virtuellen Bibliotheken gespeichert, Weiterbildungs-Kurse finden online statt und eine neue Sprache wird per App nebenbei in der U-Bahn gelernt. Bei der 11. Ausgabe der Tagesspiegel Data Debates, mit Telefónica Deutschland als Initiator und Partner der Reihe, stand deshalb das Thema Bildung auf der Agenda. Auch Nicole Gerhardt, Personalvorstand von Telefónica Deutschland, debattierte mit den Teilnehmern im Telefónica BASECAMP und sprach anschließend im Interview über ihre Vorstellung von lebenslangem Lernen und einer Bildungsreform für Deutschland. Wie muss sich Bildung in Zeiten der Digitalisierung weiterentwickeln? Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter unterstützen? Diese und viele weitere Fragen debattierten Thomas Bachem, Gründer und Managing Director der CODE University, Nicola Beer, Generalsekretärin der FDP, Prof. Dr. Niels Pinkwart, Weizenbaum Institut für die vernetzte Gesellschaft und Nicole Gerhardt, Personalvorstand von Telefónica Deutschland. Den Nachbericht zur Veranstaltung finden Sie auf der Telefónica BASECAMP Website. Die digitale Transformation ist keine rein technische Aufgabe, sondern auch eine Herausforderung für Unternehmen, ihre Mitarbeiter und deren Arbeitsweisen. Wie wir künftig zusammenarbeiten und unsere Kompetenzen weiterentwickeln, ist maßgeblich für den Erfolg der Unternehmen und jedes Einzelnen in der digitalen Welt, davon ist Nicole Gerhardt, Personalvorstand von Telefónica Deutschland, überzeugt.
Nicole Gerhardt, Foto: Henrik Andree
Frau Gerhardt, wann haben Sie das letzte Mal etwas gelernt? Nicole Gerhardt: Ich lerne ständig etwas dazu. Bei den Data Debates fand ich es zum Beispiel sehr spannend, als Herr Bachem von seinen Erfahrungen erzählte, wie schwer es ist, eine private Uni in Deutschland zum Laufen zu bringen. Mich hat es beeindruckt, dass aus einer Idee ein solch großes und wichtiges Projekt entstanden ist und er sich nicht hat entmutigen lassen. Warum ist Lernen in Zeiten der Digitalisierung so wichtig? Nicole Gerhardt: Jobs werden sich kontinuierlich und schneller als früher verändern. Auf der individuellen Ebene bedeutet das, dass wir uns zunehmend an neue Gegebenheiten anpassen und manchmal sogar in unserem Arbeitsleben ganz neu erfinden müssen. In diesem Zusammenhang müssen wir uns auch für neue Denk- und Arbeitsweisen öffnen. Denn nur dann können wir als Unternehmen die Chancen der Digitalisierung nutzen. Dafür muss die Organisation schnell auf Veränderungen reagieren, anpassungsfähig sein und gleichzeitig leistungsstark. Was bedeutet Lernen für Sie konkret? Müssen alle Mitarbeiter wieder die Schulbank drücken? Nicole Gerhardt: In erster Linie kommt es darauf an, dass sich jeder weiterentwickelt. Aber wir werden in ganz unterschiedlichen Kontexten lernen: Stoßen wir in einem Projekt auf ein Problem und lernen schnell es zu lösen, ist es etwas anderes als die Weiterentwicklung in einem bestehenden Job oder sogar eine Qualifizierung in einem ganz neuen Bereich. Letzteres kann durch die Veränderungen der Digitalisierung nötig sein. Vielleicht wird der ein oder andere dadurch auch wieder die Schulbank drücken. Das kommt auf das Ziel an. Entsprechend individuell und unterschiedlich ist dann auch das Lernen. Entscheidend ist aber in allen Fällen, dass man bewusst reflektiert: Was habe ich gelernt und wie kann ich es konkret anwenden.
Foto: Henrik Andree
Was machen Sie bei Telefónica Deutschland, um ihre Mitarbeiter weiterzuentwickeln? Nicole Gerhardt: Unsere Mitarbeiter sind es gewohnt, dass sie sich regelmäßig weiterentwickeln. Das liegt zum einen an der Telekommunikationsindustrie, die sich schon immer sehr schnell entwickelt hat. Zum anderen haben wir den Zusammenschluss zweier großer Unternehmen hinter uns, wodurch sich die Mitarbeiter an neue Prozesse und Arbeitsweisen gewöhnen mussten. Wir haben also schon etwas Übung mit Veränderungen. Unser Fokus liegt nun darauf ein Umfeld zu schaffen, in dem das Lernen ein elementarer Bestandteil des Arbeitstages ist. Ein wichtiger Aspekt von Lernen ist Feedback: Für alle Mitarbeiter haben wir eine Feedbackarchitektur etabliert, die uns individuell, in Teams und in der Organisation wachsen lassen soll. Wir schauen kurz in den Rückspiegel und überlegen, was wir in Zukunft besser machen können. Zudem werden wir die Kollegen durch verschiedene Online-Angebote unterstützen, die sich flexibel in den Arbeitsalltag integrieren lassen. Darüber hinaus fördern wir selbstorganisiertes Lernen. Beispielsweise veranstalten Kollegen aus den verschiedenen Bereichen auf eigene Initiative hin Barcamps zum Themenbereich Digitalisierung. Und kürzlich wurde eine Community gegründet zu agilen Arbeitsmethoden. Was ist für Sie in diesem Zusammenhang erfolgsentscheidend? Nicole Gerhardt: Hier sehe ich drei zentrale Erfolgskriterien: Erstens müssen wir den Mitarbeitern eine Richtung geben, wohin sich ihre Rolle entwickeln wird und welche Kompetenzen sie dafür brauchen. Zweitens ist es wichtig, dass wir die Führungskräfte für die digitale Transformation befähigen und sie darauf vorbereiten, die Mitarbeiter zu unterstützen. Neben den Führungskräften brauchen wir auch einen engen Austausch mit den Betriebspartnern, wie neue Konzepte des Lernens aussehen können. Und drittens brauchen wir die richtige Einstellung: Die Kollegen sollen wieder Lust auf Lernen haben, neugierig bleiben und erkennen, wie wichtig Lernen für sie persönlich ist – und dass sie auch selbst dafür verantwortlich sind. Ein Blick auf Deutschland: Was erwarten Sie von der Bildungspolitik? Nicole Gerhardt: Der DigitalPakt Schule ist ein wichtiger Schritt. Wir brauchen aber mehr als digitale Ausstattung in Schulen. Auch greift mir die Diskussion um Programmieren in der Schule zu kurz. Vielmehr geht es um die Vorbereitung der Schüler auf eine sich immer schneller verändernde Welt, die sie bestmöglich gestalten sollen. Die Herausforderung der Zukunft löst keiner alleine. Gute Zusammenarbeit wird wichtiger denn je. Schüler sollten noch stärker als bisher erfahren, dass das Teilen von Wissen und Fähigkeiten zu wertvollen Ergebnissen führt. Ebenso sollen sie erleben, wie sie Beziehungen aufbauen und mit Konflikten in der Zusammenarbeit umgehen können. Auch sollten Schüler erfahren, wie sie mit zunehmender Komplexität umgehen können, die die Digitalisierung und die Ansprüche auf dem Arbeitsmarkt mit sich bringen. Hierfür benötigen sie übergreifende Kompetenzen und Methodenwissen, wie sie Probleme identifizieren und lösen können. Wie bereitet man junge Menschen darauf vor, dass sie ständigen Veränderungen ausgesetzt sein werden? Nicole Gerhardt: Damit sie sich sicher in einer zunehmenden komplexen Welt bewegen können, müssen sie widerstandsfähig sein. Das bedeutet auch, dass sie sich nicht zu sehr durch ihren aktuellen Job definieren sollten, denn der kann sich schnell ändern. Vielmehr brauchen sie Selbstvertrauen und die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. Dafür müssen sie sich auch ihrer Stärken bewusst sein.

Autor: Julia Lindner

Julia Lindner ist Pressesprecherin bei Telefónica Deutschland. Sie ist derzeit in Elternzeit.

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