CEO Markus Haas im Interview mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung:"2025 soll es keine Funklöcher mehr geben"

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Markus Haas
Wie schnell baut Telefónica Deutschland / O2 das 5G Netz aus? Weshalb hindern Frequenzauktionen den schnellen flächendeckenden Ausbau? Und wie kommt die Versorgung entlang der Bahnstrecken voran? Zu diesen und weiteren Fragen hat unser CEO Markus Haas mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung gesprochen. Auszüge aus diesem Gespräch veröffentlichen wir hier, das vollständige Interview ist in der Augsburger Allgemeinen Zeitung am 19. April 2021 erschienen. Herr Haas, Telefónica Deutschland, also O2 sitzt in München und sieht sich als bayerisches Unternehmen, auch wenn der Mehrheitsaktionär aus Spanien kommt. Wie schnell wird das Netz in Deutschland weiter ausgebaut? Markus Haas: Wir haben im vergangenen Jahr als Telefónica Deutschland, also O2 mit rund 8200 Mitarbeitern eine Investitionsoffensive gestartet und in ganz Deutschland die Netzqualität insbesondere im ländlichen Raum verbessert. Wir erreichen nun 99 Prozent der Haushalte mit 4G. Das hohe Investitionstempo behalten wir bei und bauen massiv das schnelle Datennetz 5G aus. Allein dieses Jahr stecken wir 1,3 Milliarden Euro in den weiteren Ausbau des Mobilfunks. Wann kommen Kunden in den Genuss des schnellen 5G-Netzes?
Credits: Henning Koepke / Telefónica Deutschland
2021 werden über 30 Prozent unserer Kunden in den Genuss des schnellen 5G-Standards kommen.
Markus Haas: Auf ganz Deutschland bezogen werden 2021 über 30 Prozent unserer Kunden in den Genuss des schnellen 5G-Standards kommen. 2022 sollen es bereits 50 Prozent sein und 2025 bundesweit alle. [...] Der Mobilfunkausbau ist teuer. Andererseits musste allein Telefónica Deutschland für die Ersteigerung der 5G-Lizenz dem Bund 1,425 Milliarden Euro überweisen und hat nach Jahren mit Verlusten erst 2020 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Markus Haas: Die Versteigerung von Mobilfunklizenzen, angefangen mit der berühmten UMTS-Auktion, ist für die Unternehmen immens teuer. Es geht hier um Milliardenbeträge. Dass wir Netzbetreiber so unglaublich viel Geld an den Staat für derartige Lizenzen überweisen müssen, entzieht uns die nötigen Mittel für einen rascheren und damit flächendeckenden Ausbau der Netze. [...] Wollen Sie etwa nichts für die wertvollen Mobilfunklizenzen zahlen? Markus Haas: Wir wollen die Lizenzen ja nicht geschenkt! Wir haben viel in das Netzwerk investiert, um Lizenzen zu nutzen und werden auch weiter stark investieren. Eine Auktion bringt dem Staat nur einmalige Einnahmen. Die Verlängerung von Bestandsfrequenzen, verknüpft mit neuen Ausbauauflagen, bringen nachhaltige, langfristige Verbesserungen für die Bevölkerung. Und Geld sparen wir als Netzbetreiber hierdurch eher nicht – gerade der Ausbau in unwirtschaftlichen Gegenden kostet sehr viel.
Credits: Shutterstock/kanvictory und SVG Repo
Die bis 2025 laufenden Frequenzen, die schon genutzt werden, sollten nicht wieder neu teuer versteigert werden müssen.
Was fordern Sie nun konkret von der Politik? Markus Haas: Wir appellieren an die Politik, dass die bis 2025 laufenden Frequenzen, die schon genutzt werden, auch verlängert werden können und nicht wieder neu teuer versteigert werden müssen. Derzeit wird in Berlin dazu die Novelle des Telekommunikationsgesetzes diskutiert. Hätten wir bezüglich der zukünftigen Nutzbarkeit unserer Bestandsfrequenzen Planungssicherheit, könnten wir unser Netz insbesondere im ländlichen Raum noch deutlich stärker ausbauen. Doch daran hindert uns aktuell die Politik. [...] Sie wollen also deutlich billiger davonkommen. Dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz Sie dabei nicht unterstützt, ist klar. Doch gibt es Verbündete in von Funklöchern geplagten Bundesländern? Markus Haas: Wir werden beispielsweise von Bayern in unserem Bestreben unterstützt, auf teure Lizenzversteigerungen zu verzichten. Auch die Länder Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein werben beispielsweise im Bundesrat seit 2019 für eine Änderung der Frequenzregulierung. Der Bund gibt sich noch sehr zögerlich. Vielleicht hat der Bundesfinanzminister andere Interessen. Dennoch hoffen wir, dass unsere Argumente in der derzeitigen parlamentarischen Beratung zu einem Umdenken beitragen, zumal der 5G-Ausbau den Markt deutlich verändern wird. Wir befinden uns im Jahrzehnt des Mobilfunks, weil wir am Ende alles mobildigital vernetzen werden, auch eMaschinen in den Fabriken.
Credits: Telefónica Deutschland
Bis 2025 wollen wir eine komplette Flächenversorgung mit dem 4G-Standard erreichen.
Wann wird endlich auch der ländliche Raum flächendeckend mit Mobilfunk versorgt? Markus Haas: Wir tun viel dafür. Gemeinsam mit Vodafone und der Telekom bauen wir im ländlichen Raum noch einmal bis zu 6000 Mobilfunktürme in den nächsten drei Jahren – und zwar genau in Gebieten mit Funklöchern. [...] Wann gehören Funklöcher also endlich der Vergangenheit an? Markus Haas: Bis 2025 wollen wir eine komplette Flächenversorgung erreichen. Man soll dann überall mit dem 4G-Standard sein Handy nutzen können. Dafür sind aber zusätzliche Standorte vonnöten. An diesen zusätzlichen Mobilfunkmasten können wir auch das schnellere 5G anbringen. Auf den Masten ist genug Platz. [...] Bahnfahrer erleben auf vielen Strecken ein anderes Bild. Immer wieder reißt die Verbindung ab. Es wird wohl schwer, das Ärgernis selbst bis 2025 abzustellen. Warum eigentlich? Markus Haas: Alle Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland haben mit dem Bahnvorstand Maßnahmen beschlossen, mit denen der Mobilfunkanschluss in den Zügen besser werden soll. Wichtig dafür ist aber, dass zunächst in allen Zügen – nicht nur in denen der Bahn – die Repeater ausgewechselt werden, sodass unsere Mobilfunksignale überhaupt in den Zügen empfangen werden können. Das wird eine deutliche Verbesserung bringen. Zusätzlich muss uns die Bahn mehr Standorte im Bereich der Gleise zur Verfügung stellen. Doch das gestaltet sich teilweise sehr kompliziert, insbesondere, was Tunnel betrifft. [...] Das klingt sehr behäbig-deutsch. Markus Haas: Bei der Bahn kommt noch hinzu, dass die Fenster speziell bedampft sind, damit die Hitze nicht so leicht durchdringen kann und die Wagen nicht in dem Maße gekühlt werden müssen. Doch diese Fenster behindern den Mobilfunk. In anderen Ländern werden andere Scheiben eingesetzt, durch die Mobilfunksignale besser durchkommen. Es liegt also nicht nur an einer Ursache, dass Handygespräche in der Bahn immer mal wieder abbrechen. Für eine bessere Mobilfunkversorgung brauchen wir andere Scheiben in den Zügen, neue Technik und Zugriff zu den Grundstücken der Bahn.
Auf unserer 5G-Netzinfoseite finden Sie alle Informationen zum neuen Mobilfunkstandard.

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