CEO Markus Haas im FAZ-Interview:"Wir wollen das Duopol im Geschäftskundenbereich knacken"

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Das vollständige Interview erschien am 20. September 2022 in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Wir geben hier Auszüge des Gesprächs wieder. FAZ: Herr Haas, die Energiekrise belastet die Verbraucher. Bekommt die Mobilfunkbranche die Folgen schon zu spüren? Markus Haas: Die Leute sparen eher am Kinobesuch oder im Restaurant als an der digitalen Grundversorgung. Wir sehen für unseren Sektor keine Kaufzurückhaltung. Auch das Datenvolumen steigt weiter an, denn die Digitalisierung hilft den Menschen, durch diese schwierige Zeit zu kommen. Wir erleben im Moment sogar eine deutlich steigende Nachfrage nach hochwertigen Smartphones. Wir haben im August so viele Smartphones verkauft wie noch nie in einem August der vergangenen 15 Jahre. FAZ: Wie kommt O2 Telefónica mit den hohen Energiepreisen zurecht? Markus Haas: Für 2022 sind wir gut abgesichert und haben auch einen Teil der Strommengen für 2023 schon besorgt. Und wir arbeiten an direkten Lieferverträgen mit Anbietern, die uns Ökostrom liefern. Wir bräuchten rund 20 Windräder, um den Strombedarf von O2 Telefónica in Deutschland abzudecken. Das könnte uns langfristig helfen, unsere Stromrechnung einigermaßen stabil zu halten.
O2 Telefónica arbeitet an direkten Lieferverträgen mit Anbietern, die Ökostrom liefern.
FAZ: Wie wichtig ist der Posten Energie für O2? Markus Haas: Wir gehören nicht zu den energieintensivsten Industrien, Strom macht einen mittleren einstelligen Prozentsatz der laufenden Kosten aus. Aber klar ist auch: Wenn die Energiekosten immer weiter steigen, könnten sich Investitionen in die digitale Infrastruktur verzögern. [...] FAZ: Auf dem Privatkundenmarkt glänzte O2 zuletzt mit hohen Zuwächsen. Warum ist auf dem Geschäftskundenmarkt bisher so wenig davon zu sehen? Markus Haas: Unternehmen sind die anspruchsvollsten Kunden. Sehr gute Netzqualität ist für sie die Grundvoraussetzung. Damit haben wir uns in der Vergangenheit schwer getan. Es hat gedauert, das Netz auszubauen und damit auch das Image zu drehen. Das sehr gute Abschneiden im Connect-Netztest 2020 war für uns der Durchbruch, eine Art Ritterschlag. Viele Geschäftskunden wollten eine echte Wahlmöglichkeit, und die haben sie jetzt.
Viele Geschäftskunden wollten eine echte Wahlmöglichkeit, und die haben sie jetzt.
FAZ: Was haben Sie sich vorgenommen? Markus Haas: Wir gehören qualitativ zu den stärksten drei Anbietern im Gesamtmarkt, das sollte sich auch im Marktanteil in diesem Segment spiegeln. Wir möchten das Duopol im Geschäftskundenmarkt aufbrechen. Mit einer fünfstelligen Zahl von neuen SIM-Karten für Geschäftskunden pro Monat sind wir auf einem guten Weg. Gerade in der augenblicklichen Situation mit den hohen Kostenbelastungen für viele Firmen haben wir als Preis-Leistungs-Führer extrem starken Zulauf unter kleinen und mittleren Unternehmen, speziell in der Größenklasse bis zu 500 Mitarbeitern. Bei einem Wechsel zu unseren Paketangeboten lassen sich 30 bis 50 Prozent sparen. Das ist in Zeiten wie diesen ein starkes Argument. FAZ: Was bedeutet das in Umsatz? Markus Haas: Wir wachsen im Mobilfunk-Geschäftskundensegment mit zweistelligen Raten – was für einen an sich gesättigten Telekommunikationsmarkt sehr beachtlich ist. Für einen großen Einzelhändler etwa haben wir die Vernetzung mehrerer Tausend Filialen in Europa übernommen. Viele Ikonen des Mittelstandes, ob Tchibo, CenterParcs, Hello Fresh, ProSegur, die Helios-Kliniken oder Dataport, aber auch amerikanische Big Tecs in Deutschland, stehen inzwischen auf unserer Kundenliste. Und immer mehr Stadtwerke und andere öffentliche Einrichtungen klopfen bei uns an. [...]
Markus Haas, CEO von O2 Telefónica
FAZ: Wie groß ist der Markt, den sie anpeilen? Markus Haas: Die drei Netzbetreiber machen rund 18 Milliarden Euro Jahresumsatz mit Mobilfunk-Verbindungen für Geschäftskunden. Knapp zwei Milliarden Euro entfallen auf mittelständische Kunden als unsere wichtigste Zielgruppe, davon bisher vielleicht ein Zehntel auf uns. Da setzen wir unseren Schwerpunkt und wollen unseren Fair Share. FAZ: Was heißt das? Markus Haas: Der Fair Share fängt für mich damit an, dass wir uns ein Drittel aller jährlichen Neuverträge und Wechsler holen. Das wird ein Spiel über Zeit, das trauen wir uns zu. Im Ergebnis wollen wir unseren Geschäftskundenumsatz in der ersten Etappe binnen drei Jahren verdoppeln.
Credits: Telefónica Deutschland
Die Flächenfrequenzen im Bereich 800 Megahertz müssen verlängert werden – ganz ohne Auktion.
FAZ: Die Netzagentur stellt die Weichen für die Neuvergabe wichtiger Mobilfunkfrequenzen. Bereiten Sie sich auf die nächste Milliardenauktion vor? Markus Haas: Das kann ernsthaft niemand wollen. Jedenfalls nicht dann, wenn die Beseitigung der Funklöcher weiter oberste Priorität haben soll. Dafür müssen die Flächenfrequenzen im Bereich 800 Megahertz verlängert werden – ganz ohne Auktion. Ansonsten kommen wir Ende 2025, wenn diese Frequenzen auslaufen, in die Situation, dass ein Drittel der Bevölkerung auf der Hälfte der Fläche ohne Handy-Netz dastehen könnte. FAZ: Warum? Markus Haas: Weil nur ein begrenztes Angebot an Frequenzspektrum verfügbar ist, das jetzt jeweils zu einem Drittel bei Deutscher Telekom, Vodafone und O2 Telefónica liegt. Bei demnächst vier Netzbetreibern könnte ein bundesweit aktiver Anbieter leer ausgehen. Denn aus technischen Gründen kann dieses Spektrum nicht auf vier Betreiberunternehmen aufgeteilt werden. Das heißt: Für die vielen Millionen Kunden des Anbieters, der aus dem Rennen ausscheidet, würde die Flächenversorgung zusammenbrechen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand dieses Risiko eingehen will. FAZ: Ihr Verlängerungsvorschlag ginge aber eindeutig zu Lasten von 1&1. Markus Haas: Es geht um eine Brückenlösung. Einen längerfristigen Ausweg bieten die 600 Megahertz-Frequenzen, die bisher noch vom Rundfunk für DVBT2 benötigt werden, aber voraussichtlich 2030 weltweit auch für den Mobilfunk nutzbar werden. Dann könnten Neueinsteiger Zugriff auf Flächenfrequenzen bekommen. Diese Übergangszeit gilt es zu meistern. Wir haben uns vertraglich darauf verständigt, dass 1&1 bis 2034 über National Roaming Zugang zu unserem Netz bekommt und darüber die Fläche versorgen kann. Das ist die beste Lösung im allgemeinen Interesse. Jede andere Entscheidung müsste zwangsläufig auch zu einer Aufhebung der geltenden Ausbauverpflichtungen führen. Die könnten dann schlicht nicht mehr erfüllt werden. [...] Das vollständige Interview erschien am 20. September 2022 in der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Von: Guido Heitmann

Leiter Corporate Communications O2 Telefónica | Guido Heitmann ist seit Oktober 2014 Head of Corporate Communications der O2 Telefónica. Zuvor seit 2001 Teil des Kommunikationsteams der E-Plus Gruppe und als Abteilungsleiter und Chef vom Dienst mit seinem Team verantwortlich für die Corporate-PR-Arbeit sowie die Interne Kommunikation. Geboren in Buxtehude, Diplom-Kaufmann, und schon immer als Kommunikator tätig, zuvor unter anderem bei Hapag-Lloyd AG in Hamburg. Als Pressesprecher Ansprechpartner unter anderem für Themen wie Finanzberichterstattung, M&A, Regulierung, Business & Technology Strategy sowie Personal- und Organisationsthemen. Twitter: @gu_heitmann

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