Richtlinien und Risikoanalysen im Lieferantenmanagement

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Die Basis für die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten bildet die Supply Chain Sustainability Policy (SCSP). Diese folgt unseren Geschäftsgrundsätzen und orientiert sich an den wichtigsten internationalen Verträgen und Standards wie der UN-Menschenrechtscharta, den Abkommen der ILO, den Richtlinien der OECD, den ISO-Normen, den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und den SDGs der UN. Angesichts vielfältiger Herausforderungen in der globalen Lieferkette bezieht Telefónica Deutschland ihre Lieferanten darüber hinaus in die Aktivitäten zum Schutz der Menschenrechte mit ein. In unserer SCSP haben wir dieses Thema gezielt adressiert und mit strengen Vorgaben verknüpft.
Wir verpflichten uns, alle negativen Auswirkungen unserer Geschäftstätigkeit auf die Menschenrechte zu ermitteln, und führen daher regelmäßig Risikoanalysen und Assessments zur Menschenrechtssituation in der Lieferkette durch. 2019 haben wir entsprechend den im Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) formulierten Anforderungen eine Risikoanalyse für die Wertschöpfung in der Produktgruppe Mobiltelefone und Zubehör vorgenommen (siehe Grafik “Priorisierte menschenrechtliche Risiken entlang der Wertschöpfungskette”). Neben der Belastung der Umwelt durch Chemikalien und hohen Energieverbrauch sind hier beim Abbau von produktionswichtigen Rohstoffen wie Zinn, Kobalt oder Gold auch menschenrechtliche Risiken zu identifizieren. Diese können mit Kinder-, Pflicht- oder Zwangsarbeit, mit Gesundheitsgefährdungen oder unfairer Entlohnung in Verbindung stehen. Zudem besteht das Risiko, dass mit sogenannten Konfliktmineralien bewaffnete Auseinandersetzungen in Krisengebieten finanziert werden.
Aus den Risikoanalysen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, die in entsprechende Maßnahmen im Lieferantenmanagement umgesetzt wurden. Dazu gehört die Veröffentlichung unserer Human Rights Policy, die eine „Verpflichtung zur Achtung der Menschenrechte entlang unserer Lieferkette und in unseren Beziehungen zu Geschäftspartnern“ beinhaltet. Unser Beschwerdekanal () steht allen Stakeholdern und auch Lieferanten zur Verfügung, um Beschwerden anzuzeigen und Hinweise zu möglichen Menschenrechtsverstößen zu geben. Unter Beachtung des Datenschutzes werden alle Hinweise über unsere oder unseren Beschwerdekanal zu Menschenrechten streng vertraulich behandelt. Unser Menschenrechtskomitee prüft die Beschwerde bzw. den Verstoß und ergreift je nach Bedarf konkrete Maßnahmen in Abstimmung mit dem zuständigen Fachbereich. Weitere Informationen zum Thema Menschenrechte in der Lieferkette finden sich unter Compliance sowie unter www.telefonica.de/menschenrechte. Auch zur Verringerung unserer ökologischen Auswirkungen in der Lieferkette machen wir unseren Lieferanten verbindliche Vorgaben im Rahmen der SCSP. So sind sie im Rahmen der Tätigkeit für Telefónica Deutschland verpflichtet, auf ökologische Effizienz zu achten, insbesondere auf den Gebieten Klimaschutz sowie Energieverbrauch und Ressourcenschutz. Bereits im Einkaufstool muss der Lieferant bei bestimmten Waren und Dienstleistungen die Environmental Declaration akzeptieren.
Die Telefónica Global Services GmbH (TGS) als Tochtergesellschaft der Telefónica, S.A. Group steuert die Prozesse rund um den Einkauf von Waren und Dienstleistungen einschließlich der Registrierung neuer Lieferanten. Unsere wichtigsten Lieferanten befinden sich im globalen Einkaufsmodell (MCT), das den standardisierten Beschaffungsprozess innerhalb von Telefónica Deutschland vorgibt. Es wird unterschieden zwischen Minimum Connection Time (MCT)- Beschaffungsprozessen, die vom Einkauf gesteuert werden, und Non-MCT-Beschaffungsprozessen sowie Low-Value-Einkaufsvorgängen, die ohne Beteiligung des Einkaufs erfolgen. Die TGS arbeitet weltweit mit den Ländergesellschaften des Konzerns zusammen und stimmt sich zur Nachhaltigkeit in der Lieferkette kontinuierlich mit den Abteilungen Corporate Responsibility, Compliance, Legal und Datenschutz von Telefónica Deutschland ab. Die TGS ist im Menschenrechtskomitee sowie in den Energie- und Umweltkomitees von Telefónica Deutschland vertreten. Über unser zentrales Einkaufssystem stellt die TGS unseren Einkäufern mit dem EcoVadis-Score die wichtigsten nachhaltigkeitsbezogenen Parameter bezüglich der Risikolieferanten zur Verfügung. Wenn Lieferanten eine gewisse Mindestanzahl an Punkten nicht erreichen, können sie im Einkaufssystem bei der Auftragsvergabe blockiert werden. Bei einem besseren, aber noch nicht zufriedenstellenden Ergebnis erwarten wir die Umsetzung von Aktionsplänen zur Optimierung der Lieferantenleistung. Im letzten Schritt werden Vor-Ort-Audits im Rahmen der Brancheninitiative JAC durchgeführt. In regelmäßigen Abständen führt Telefónica Deutschland eine weitere Risikoanalyse im Lieferantenmanagement durch. Dabei wird der Fokus auf die – gemessen an Risiko und Beschaffungsvolumen – wichtigsten Lieferanten gerichtet. Bei allen Produktgruppen bewerten wir die globalen und branchenrelevanten Risiken in Bezug auf Nachhaltigkeit, wie etwa Arbeitsbedingungen, Sicherheit, Gesundheit, Umweltschutz, Menschenrechte, Konfliktmaterialien, Kundenzufriedenheit und Datenschutz. Aktive Lieferanten werden darüber hinaus wiederkehrend durch einen externen Dienstleister im Hinblick auf finanzielle Risiken überprüft. Die Ergebnisse werden in unser zentrales Einkaufssystem eingespielt und dem Einkäufer in der Ausschreibungszusammenfassung angezeigt. Vor der Auftragsvergabe muss bei Hochrisikolieferanten von den verantwortlichen Fachbereichen entschieden werden, ob der Lieferant trotz des Risikos beauftragt werden soll. Diese Entscheidung wird im Einkaufssystem dokumentiert. Alle Risikoindikatoren eines Lieferanten sind für den Einkäufer in unserem Einkaufssystem in einer 360 °-Perspektive sichtbar, damit dieser bei einer Ausschreibung auf einen Blick über vollständige Information verfügen kann.

Nachhaltigkeitsleistung der Lieferanten verbessern

2019 hat Telefónica Deutschland ihre SCSP überarbeitet. Wir passen die Einkaufsprozesse der TGS, der Fachabteilungen von Telefónica Deutschland, der CR-Abteilung sowie in den Lieferantenkontakten bis Ende 2020 gemäß der SCSP kontinuierlich an. Den Einkäufern von Telefónica Deutschland steht die SCSP über das zentrale Einkaufssystem zur Verfügung. Über das Intranet und über Schulungen werden die wichtigsten Neuerungen im Lieferantenmanagement an die zuständigen Mitarbeiter kommuniziert. Für die Lieferantenbewertung und Auftragsvergabe setzt die TGS mit SuMa (Supplier Management) ein standardisiertes Tool ein, das neben Kosten- und Qualitätsmaßstäben auch soziale, ökologische und ökonomische Kriterien umfasst. Im Anschluss an die Bewertung legen wir Verbesserungsmaßnahmen fest und überprüfen deren Erfüllung. Wir entwickeln die nachhaltigkeitsorientierten Kriterien kontinuierlich weiter und nutzen hierzu auch Erkenntnisse aus unseren etablierten Managementsystemen nach den Normen ISO 50001 (Energiemanagement), ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und ISO 14001 (Umweltmanagement). Bis Ende 2020 bauen wir einen Prozess zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung der Lieferanten mit erhöhtem Risiko auf. Dazu führen wir Risikoanalysen im zweijährlichen Turnus durch und bitten die Lieferanten mit potenziell erhöhtem Risiko jährlich um die Erteilung einer Selbstauskunft über das EcoVadis-Portal. Im Berichtsjahr haben wir keine neuen zusätzlichen Lieferanten über EcoVadis eingeladen. 2019 konnten wir in verschiedenen Bereichen unseres nachhaltigen Lieferantenmanagements wichtige Fortschritte erzielen:
-Bislang haben 98% unserer vom Einkauf gesteuerten Lieferanten die Antikorruptionserklärung akzeptiert.
-Bei 38 Lieferanten, die bereits in EcoVadis registriert sind, haben wir ein erneutes Assessment durchgeführt.
-Wir haben 25 Lieferanten mit 44 Bewertungen im Rahmen des SuMa-Prozesses begutachtet.
-Bis Ende 2019 wurde bei keinem der registrierten deutschen Lieferanten ein hohes Reputationsrisiko identifiziert.