Jugenddialog im Telefónica BASECAMP Generation Z will Teilhabe statt „Symbolpolitik“: Sie will mitsprechen bei der Diskussion um ein Social-Media-Verbot
30.04.2026

Schülerinnen und Schüler fühlen sich im Netz nicht sicher (Credits: Henrik Andree)
Rote Karten im Berliner Telefónica BASECAMP: Auf die Frage, ob sie sich im Netz sicher fühlen, antwortet die Mehrheit der über 100 Jugendlichen im WAKE UP! Jugenddialog am 24. April 2026 mit einem deutlichen Signal des Misstrauens. Die Jugendlichen treffen auf die Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer (Bündnis 90/ DIE GRÜNEN), Rasha Nasr (SPD) und Pascal Reddig (CDU) sowie Lilli Berthold (Bundesschülerkonferenz), um über Chancen und Risiken sozialer Medien zu debattieren.
„Bei Telefónica Deutschland stellen wir die Internetverbindungen bereit und übernehmen Verantwortung für ein sicheres und faires Netz. Weil die Risiken für Jugendliche besonders hoch sind, sprechen wir mit ihnen, um zu verstehen, was sie von Politik und Unternehmen erwarten“, sagt Deniz Taskiran, Senior Managerin Social Programmes im Bereich Corporate Responsibility & Sustainability.
Digitale Gewalt Wenn der Algorithmus den Alltag bestimmt
Wie stark ungefilterte Inhalte in den Alltag hineinwirken können, beschreibt auch Lilli Berthold mit einer Beobachtung aus ihrer eigenen digitalen Lebenswelt: „Warum habe ich schon die vierte Hinrichtung in meiner For-You-Page?“
An diese Schilderung knüpft Rasha Nasr (SPD) an und fordert mehr Mut im Umgang mit digitaler Gewalt: „Ich finde immer noch, dass wir nicht wütend genug sind. Wut ist ein guter Motivator, wenn man sie in konstruktive Maßnahmen überführt. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und wir brauchen eine viel stärkere Sensibilisierung in der Gesellschaft.“
Auch aus medienpädagogischer Sicht braucht es dafür konkrete Unterstützung: Lidia de Reese, Medienpädagogin der FSM e.V., ergänzt die fachliche Perspektive: „In der Theorie ist die Nutzung oft erst ab 13 Jahren erlaubt, aber das ist eben nur Theorie. Wir müssen Jugendliche befähigen, sich vor Übergriffen zu schützen, statt sie nur auszuschließen.“

Sind einer Meinung: Wer mehr echtes Leben kennt, findet sich in Social Media besser zurecht (Credits: Henrik Andree)
Die Verbotsdebatte Kontroverse Positionen
Kontrovers wird die Forderung nach einem Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige diskutiert. Auf dem Podium zeichnen sich unterschiedliche Haltungen ab: Pascal Reddig (CDU) und Zoe Mayer (Grüne) sprechen sich für ein solches Verbot aus, um junge Menschen vor psychischen Belastungen und Manipulation zu schützen.
Pascal Reddig konkretisiert, wo er vorrangig Regulierung sieht: „Die Plattformen sind in der Verantwortung, uns zu zeigen, was KI ist – dafür braucht es Regulierung. KI kann gut sein, hat aber eben auch Schattenseiten wie Desinformationskampagnen im politischen Bereich.“
Zoe Mayer ergänzt diesen Punkt um die Perspektive auf die Wirkung der Algorithmen: „Eine Kernproblematik ist, dass uns eine gesellschaftliche Spaltung vorgegaukelt wird, die es so stark gar nicht gibt. Wir sind in unseren sozialen Netzwerken so sehr in unserer Bubble, dass wir oft nur noch die Pole wahrnehmen. Das muss hinterfragt werden.“
Einen anderen Akzent setzt Rasha Nasr (SPD): Sie erklärt, dass ihre SPD-Bundestagsfraktion ein Social-Media-Verbot bis 14 Jahre sowie geschützte Räume für 14- bis 16-Jährige befürwortet.
Dem widerspricht die Schülervertreterin Lilli Berthold und spricht sich gegen die Verbotspläne aus. Stattdessen wünscht sie sich mehr Förderung von Medienkompetenz: „Die Verbots-Debatte schiebt das Problem nur in die Zukunft. Wenn wir Jugendliche bis 14 Jahre begrenzen und sie dann ab 14 plötzlich mit allen Inhalten konfrontieren, ist das keine Lösung.“

Politik hört Schülern zu: Pascal Reddig, Zoe Mayer, Jan Schipmann (Politikjournalist und Host & Redaktionsleiter DIE DA OBEN!), Lilli Berthold und Rasha Nasr (v.l.n.r.) (Credits: Henrik Andree)
Schule und Elternhaus Gemeinsam gegen die Überforderung
Einigkeit bestand darin, dass Bildung nicht allein Aufgabe der Schulen sein kann – vielmehr braucht es ein Zusammenspiel aus Schule, Elternhaus und passenden Rahmenbedingungen.
Mit Blick auf die Schulen betont Lilli Berthold: „Schule kann digitale Bildung und Aufklärung nicht einfach so leisten, wir müssen viel mehr finanzieren und unterstützen.“
Ergänzend hebt Lidia de Reese die Rolle der Eltern hervor: „Unterhaltung ist ein Kinderrecht. Entscheidend ist, dass Eltern und Kinder gemeinsam Regeln für die Nutzung finden, statt ausschließlich auf Verbote zu setzen.“
Fazit Jugendliche wollen echte Teilhabe statt Symbolpolitik
Die Schülerinnen und Schüler formulieren ihre Vorstellungen zum Social Media Verbot und verabschieden die Politikvertreter mit Botschaften wie „Das Problem ist nicht Social Media, sondern was wir daraus machen“ oder “Die Dosis macht das Gift”. Das Ergebnis des Tages: Die Generation Z wünscht sich mehr Vertrauen, mehr Schutz durch kluge Rahmenbedingungen – und echte Teilhabe an Meinungsbildungsprozessen und -entscheidungen.
Weitere Informationen
Bericht zur Veranstaltung im BASECAMP