Telefónica-Initiative vermittelt Medienkompetenz Junge Menschen fordern konsequentes Handeln gegen digitale Gewalt
28.05.2026

Drei Hamburger Schulklassen diskutierten live vor Ort über Hass im Netz (Credits: Jan Pries)
Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen hat im Netz bereits digitale Gewalt erlebt – von Beleidigungen bis hin zu KI-manipulierten Deepfakes. Um dieser Dynamik etwas entgegenzusetzen, brachte ein Projekttag der Telefónica-Initiative WAKE UP! am 22. Mai 2026 rund 1.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland digital und analog zusammen.
„Digitale Gewalt ist kein virtuelles Randphänomen, sie ist bittere Realität. Wir dürfen hier nicht tatenlos zusehen“, ordnete Claudia von Bothmer, Director Corporate Responsibility & Sustainability bei Telefónica Deutschland, die Relevanz des Projekttags ein. „Ein stabiles Netz ist nur die Basis – entscheidend ist, wie wir uns darin begegnen. Mit WAKE UP! wollen wir Jugendlichen das Werkzeug an die Hand geben, um laut zu sein, Betroffene zu unterstützen und den digitalen Raum wieder zu einem sicheren, respektvollen Ort für alle zu machen.“

Claudia von Bothmer (Credits: Jan Pries)
Drei Hamburger Schulklassen sowie Teilnehmende per Livestream verfolgten die Veranstaltung und diskutierten mit Betroffenen, einer Medienpädagogin und einem Rechtsexperten über Hass im Netz, Deepfakes, digitale Grenzverletzungen und die drängende Frage: Wie können junge Menschen wirksam geschützt werden?
Wenn Hass und Grenzverletzungen zum Alltag werden
Digitale Gewalt ist im Alltag vieler Jugendlicher omnipräsent: Auswertungen aus dem Jahr 2026 zeigen, dass mehr als die Hälfte der Befragten bereits digitale Gewalt erlebt hat. Die Jugendlichen berichteten von Beleidigungen, Fake-Profilen oder Hassnachrichten.
Eindrücklich schilderte Aktivistin und Creatorin Mina Camira ihre Erfahrungen mit sexualisierter digitaler Gewalt. Ihre Fotos von einer Second-Hand-Plattform wurden mithilfe von KI manipuliert und auf pornografischen Plattformen verbreitet. „Die Scham muss die Seite wechseln. Nicht die Betroffenen müssen sich schämen, sondern die Täter!“, forderte sie auf der Bühne.
Auch Content Creator Pascal („Pascalredet“) sprach offen über massive Bedrohungen. „Man darf nicht den Fehler machen, sich darauf zu verlassen, dass analog nie etwas passiert. Digitale Gewalt kann psychisch extrem belastend sein“, erklärte er und appellierte an die Jugendlichen, psychische Belastungen nicht herunterzuspielen.

Moderatorin Amelie Marie Weber, Coachin Silke Müller, Content Creator Pascal („Pascalredet“), Lidia von Reese (Medienpädagogin und stellvertretende Geschäftsführerin der FSM e.V.), Rechtsanwalt Dr. Nils Winkler (v.l.n.r.) (Credits: Jan Pries)
Digitale Gewalt trifft Geschlechter unterschiedlich
Große Aufmerksamkeit erhielt auch die Diskussion über geschlechterbezogene Unterschiede digitaler Gewalt. Während sexualisierte digitale Gewalt besonders häufig Mädchen und junge Frauen betrifft, erleben viele Jugendliche unabhängig vom Geschlecht Beleidigungen, Ausgrenzung oder Bedrohungen im Netz.
Pascal beschrieb, warum insbesondere soziale Netzwerke problematische Inhalte verstärken können: „Viele Plattformen belohnen Zuspitzung und Provokation. Dadurch verbreiten sich Hass und extreme Inhalte oft schneller als sachliche Diskussionen.“ Lidia de Reese, Medienpädagogin und stellvertretende Geschäftsführerin der FSM e.V., betonte die Bedeutung von Medienkompetenz: „Jugendliche müssen lernen, wie digitale Manipulation funktioniert, wie sie sich schützen können und wo sie Hilfe bekommen.“ Ein Check zeigte: Die allermeisten Jugendlichen wissen im Ernstfall nicht, an welche professionellen Stellen sie sich wenden können.

Umfrage unter den Teilnehmenden: Viele von ihnen haben bereits digitale Gewalt erlebt (Credits: Jan Pries)
Was sich ändern soll
Neben den persönlichen Erfahrungen stand auch die juristische Aufarbeitung im Fokus der Veranstaltung. Dr. Nils Winkler, Rechtsanwalt und Strafverteidiger, sprach über die aktuelle Rechtslage und den geplanten Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt. Er erklärte: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Viele Betroffene wissen aber nicht, welche Möglichkeiten sie bereits heute haben.“ Er empfahl dringend, Beweise per Screenshot zu sichern und Online-Anzeigen zu erstatten. Der neue Gesetzentwurf soll bestehende Lücken schließen: Das Herstellen und Verbreiten von sexualisierten Deepfakes soll künftig mit Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Zudem wurde auf spezialisierte Hilfsangebote wie HateAid, die Plattform Safe im Recht oder das Lösch-Tool Take It Down verwiesen.
Statt pauschaler Verbote der Social-Media-Nutzung forderten die Jugendlichen vor allem mehr Medienkompetenz, digitale Zivilcourage und einen respektvolleren Umgang im Netz – Werte, für die sich WAKE UP! nachhaltig einsetzt.

Geschlechterbezogene Unterschiede digitaler Gewalt: Während sexualisierte digitale Gewalt besonders häufig Mädchen und junge Frauen betrifft, erleben viele Jugendliche unabhängig vom Geschlecht Beleidigungen, Ausgrenzung oder Bedrohungen im Netz (Credits: Jan Pries)
Prävention beginnt bei Eltern
Weil wirksamer Schutz nur gemeinsam gelingt, startete das Event bereits am Vorabend mit einem digitalen Elternabend. Coachin Silke Müller, Expertinnen und Experten aus dem Medien- und Rechtsbereich sowie Betroffene informierten über 800 Teilnehmende über digitale Gefahren. Ziel war es, Eltern praxisnah aufzuzeigen, welchen Dynamiken ihre Kinder im Netz begegnen – und ihnen konkrete Hilfestellungen an die Hand zu geben, um Jugendliche sicher und selbstbewusst durch die digitale Welt zu begleiten.
Weiterführende Informationen
Digitale Gewalt - Projektseite (wakeup.jetzt)