Telecom-Handel-Interview mit Wolfgang Metze:„Wir brechen die Regeln und verändern den Markt“

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Unterschiedliche Geschwindigkeiten, aber unlimitiertes Datenvolumen: Die neuen O2 Free Unlimited Tarife von Telefónica stellen die bisherige Tarifstruktur auf den Kopf. Im Gespräch mit der Telecom Handel erläutert Wolfgang Metze, Privatkundenvorstand von Telefónica Deutschland, wie O2 den Markt mit dem neuen innovativen Ansatz verändert. Darüber hinaus liefert er Antworten auf die Fragen, ob 5G im Privatkundenbereich schon heute ein Differenzierer ist, und welche Auswirkungen die eSIM und ein mögliches Aus von 24-Monatsverträgen auf die Beziehung zum Kunden haben werden.
Credits: Telecom Handel / Placeit | Montage, Ausschnitt bearbeitet
Wolfgang Metze im Interview
Hier finden Sie Auszüge des Artikels, der in der Printausgabe vom 3. Februar 2020 erschienen ist. Mit O2 Free Unlimited hat Telefónica neue Tarife vorgestellt, die sich deutlich vom bisher üblichen Portfolio unterscheiden. Nicht das Datenvolumen variiert, sondern die Geschwindigkeit der Verbindung. Was versprechen Sie sich davon? Wolfgang Metze: Wir haben analysiert, dass es eine große Anzahl von Kunden gibt, die sich nicht damit auseinandersetzen wollen, wie viele Daten sie verbrauchen. Die ein bestimmtes Nutzungsverhalten haben, bestimmte Endgeräte einsetzen und mit einer bestimmten Geschwindigkeit bestens bedient sind. Hier setzen unsere Unlimited-Tarife an, die es mit 2 MBit/s, 10 MBit/s und mit Full-Speed gibt. Ersetzen wollen Sie die bisherigen Tarife, die sich nach dem Inklusiv-Datenvolumen unterscheiden, aber nicht? Wolfgang Metze: Nein, die alten Tarife gibt es weiterhin. […] Wir bieten beides an, damit der Kunde die freie Wahl hat. Wie wollen ihn nicht bevormunden. […]
Wolfgang Metze
Ist im heutigen Mobilfunkmarkt überhaupt noch viel Bewegung möglich? Wolfgang Metze: Wir haben hier in Deutschland ein durchaus dynamisches Marktumfeld und einen gesunden Wettbewerb. Die Marktanteile verändern sich kontinuierlich, und das ist auch gut so. Sowohl für unsere Kunden als auch für die Branche. Noch mehr Bewegung entsteht, indem man Vordenker ist, innovative Angebote und Lösungen startet und so den Markt vor sich hertreibt. Mit dem Thema Unlimited tun wir genau das. Dieses Bepreisungsmodell gab es in Deutschland bislang nicht. Wir brechen damit die Regeln, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Deutschland gegolten haben, und verändern den Markt. Was bedeutet die Einführung der Unlimited-Tarife für den Vertrieb? Wolfgang Metze: Vor allem wird die Beratung eine andere sein. Wir müssen dem Kunden andere Fragen stellen, nämlich danach, was genau sein Bedarf ist und welche Angebote er tatsächlich nutzt. Wer etwa sein Smartphone für Social Media verwendet, im Internet Zeitung liest und WhatsApp nutzt, für den eignet sich der Unlimited-Tarif mit 2 MBit/s Geschwindigkeit hervorragend. Wenn Sie dagegen ihr Gerät auch als Hotspot für andere zur Verfügung stellen oder als Fernseher nutzen wollen, um Serien zu streamen, dann brauchen Sie eine andere Geschwindigkeit. Der Verkäufer im Shop muss diese Möglichkeiten aufzeigen. Aus meiner Sicht wird sich die Bedeutung des Wortes‚ verkaufen‘ in Zukunft immer mehr in Richtung Beratung und das Aufzeigen von Möglichkeiten verändern. […]
2020 startet das 5G-Netz von O2 in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt
Apropos Zukunft: Wie sieht es eigentlich mit dem Ausbau von 5G aus? […] Wolfgang Metze: […] Unseren Ausbauplan haben wir aus Kundensicht aufgelegt. […] Die Frage ist […], welchen Nutzen der Kunde hat, und nicht, welche Technologie dahintersteckt. Dafür interessiert er sich doch letztlich gar nicht. Der Kunde will eine Antwort auf sein Bedürfnis. Als Vorstand der Telefónica Deutschland beschäftige ich mich den ganzen Tag mit technischen Themen wie 5G, 4G, Digitalisierung, Automatisierung, Spektrum, Lizenzen, etc. Aber der Privatkunde will doch nur eine Antwort darauf, wie sein Use Case und sein Bedarf befriedigt werden. Daher ist 5G aus meiner Sicht heute auch noch kein Differenzierer. […] Neben 5G wird wohl auch die eSIM kommen. Wie wird diese den Markt verändern? Wolfgang Metze: Sie wird ein Treiber für den Markt sein. Klar ist, dass die eSIM die Plastik-SIM über kurz oder lang ersetzen wird. Zum einen werden die Geräte wie Smartwatches oder Tracker kleiner und müssen zum Teil auch wasserdicht sein. Zum anderen wird es in Zukunft viel mehr vernetzte Endgeräte geben. […] Und unter Umständen kann man auch den Netzbetreiber leichter wechseln, was ja auch auf Ihr Geschäftsmodell Auswirkungen haben könnte… Wolfgang Metze: Dann werden wir die richtige Antwort darauf finden müssen. Ich werde die eSIM nicht aufhalten können. Sie wird kommen. Denn eine Plastik-SIM wird in viele vernetzte Geräte zukünftig einfach nicht mehr hineinpassen. Ich versuche immer, die Chancen zu sehen und nicht die Risiken. Für mich ist der Schlüssel, dass wir dem Kunden das beste Gesamterlebnis bieten. So bleibt er bei uns. Noch mehr Aufregung als bei der eSIM gab es im Handel beim möglichen Aus für die 24-Monats-Verträge. Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf Netzbetreiber und Handel ein? Und wie bereitet sich Telefónica darauf vor? Wolfgang Metze: Zunächst einmal sollten wir die Entscheidung abwarten. Grundsätzlich betrachte ich das Thema wieder aus der Kundensicht. Es gibt Kunden, die gerne 24-Monats-Verträge abschließen, weil sie den Vorteil von preisgünstigen Bundles für sich in Anspruch nehmen möchten. Die sich freiwillig dafür entscheiden. Denn wir bieten ja auch bereits das andere Modell mit einmonatiger Laufzeit an. Für beides gibt es eine Zielgruppe und die entsprechenden Angebote. Ich bin davon überzeugt, dass 24-Monats-Verträge aus der Kundenperspektive sinnvoll sind. Und ich finde es auch sinnvoll, den Kunden weiterhin die Wahlmöglichkeit zu lassen. Daher warten wir ab, wie die Diskussion endet. Wir bei O2 sind auf beide Szenarien vorbereitet. […]

Autor: Kerstin Ebner

Kerstin Ebner ist Pressesprecherin für die Marke O2 und ihre Privatkundenprodukte. Sie ist seit 2005 im Bereich Corporate Communications von Telefónica Deutschland tätig. Dort war sie unter anderem Chefredakteurin für die Medien der internen Kommunikation und zeichnete für verschiedene (Veränderungs-) Kommunikationsprojekte verantwortlich.

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