Interview mit CFO Markus Rolle:"Wir wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis"

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In einem Interview mit der Börsen-Zeitung spricht CFO Markus Rolle anlässlich des Strategie-Updates über Wachstumsziele, COVID19-Effekte in der Bilanz und die Investitionsstrategie des Unternehmens. Wir geben Auszüge des Interviews wieder. Das vollständige Gespräch ist am 22. Januar 2021 in der Börsen-Zeitung erschienen: Herr Rolle, – Telefónica Deutschland hat sich nach mühsamen Jahren der Integration von E-Plus wieder Wachstum auf die Fahnen geschrieben. Wie sieht es aus für 2020 insgesamt, besonders im Schlussquartal? Markus Rolle: Wir sind zum Ende des dritten Quartals im Konzern um 1,5 % im Umsatz gewachsen. Egal ob Hardware, also Geräteumsatz, Mobilfunk-Services oder Festnetz: Alle Sparten sind im Plus. Auch im vierten Quartal ist dieser Trend intakt. Mit anderen Worten, es gibt keine Entwicklung, die hier zu einer signifikanten Verwässerung geführt hätte.
"Als Unternehmen kommen wir bisher sehr gut durch die Krise."
Welchen Einfluss hatte die Pandemie auf die Geschäftsentwicklung? Markus Rolle: Das ist ein gemischtes Bild. Als positiv hat sich bemerkbar gemacht, dass die Wechselrate mit 1 % im Monat für O2 Vertragskunden historisch niedrig ist. Zum anderen spüren wir natürlich auch negative Effekte aus dem Lockdown, im Umsatz unserer Shops, durch die verstärkte Nutzung von WLAN zu Hause – anstelle von Mobilfunk – und natürlich vor allem bei den Roaming-Entgelten. Deren Rückgang erwarten wir bei einem mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Andererseits haben wir aber auch aus dem ersten Lockdown im Frühjahr gelernt, dass beispielsweise die Shop-Umsätze sehr schnell wieder anziehen, sobald gelockert und geöffnet wird. Wann sich die Roaming-Einnahmen erholen, lässt sich dagegen schwer sagen, weil Reiseaktivitäten derzeit kaum absehbar sind. Sie haben über drei Jahre von 2020 bis 2022 ein kumuliertes Wachstum von 5 % anvisiert. Ist das nicht zu wenig ehrgeizig? Markus Rolle: Zunächst möchte ich sagen, dass wir als Unternehmen bisher sehr gut durch die Krise kommen und zu den wenigen zählen, die sowohl ihre Prognose für das laufende Jahr als auch mittelfristig bestätigen. Und dabei spielt auch eine Rolle, dass wir unsere Strategie erfolgreich umsetzen, in erster Linie mit dem Netzausbau. Wir haben in diesem Jahr große Fortschritte gemacht. Wir erfüllen die Auflagen aus der Frequenzauktion 2015 bei der Abdeckung mit dem 4G-Standard. Und dieser Kraftakt, diese Aufholjagd im Netzausbau wird auch von unabhängigen Tests bestätigt. Bei „Connect“ erhalten wir inzwischen auch die Note „sehr gut“. Damit sind wir bei der Netzqualität auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern Telekom und Vodafone.
Credits: Telefónica Deutschland
"Wir sind stolz darauf, dass die Kundenzufriedenheit in den letzten drei Jahren um 20 % gestiegen ist."
Aber schlägt sich das auch in Umsatz und Ertrag nieder? Markus Rolle: Wir sind stolz darauf, dass die Kundenzufriedenheit in den letzten drei Jahren um 20 % gestiegen ist. Was den Ehrgeiz beim Wachstum betrifft: Wir haben immer gesagt, wir wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis, sondern dabei auch die Marge steigern. Das Ziel von 5 % kumuliertem Umsatzplus ist eine Mindestzielgröße. Sie steht aber in einer guten Relation zu der Profitabilitätssteigerung, die wir uns auch vorgenommen haben. […] Sie wollen die Dividende nur sehr moderat anheben, auch nach dem Liquiditätszufluss aus dem Verkauf der Antennenstandorte an Telxius. Was ist der Grund für diese Vorsicht? Markus Rolle: Wir sind in einer Phase, in der wir unsere Investitionen in das Netz hochfahren, und zwar in der Spitze auf 17 bis 18 % vom Umsatz. 2020 stand der Ausbau des 4G-Netzes im Fokus, im laufenden Jahr investieren wir auch verstärkt in 5G. Auch als Begleiterscheinung der Pandemie haben wir im vergangenen Jahr schon zur Jahresmitte gemerkt, dass wir die angepeilte Investitionsquote 2020 nicht erreichen werden. Dadurch haben sich die erhöhten Investitionen verschoben und wir werden jetzt erst ganz gegen Ende 2022 zu einer Normalisierung des Investitionsniveaus, also zu geringeren Ausgaben, kommen.
"Wir sind in einer Phase, in der wir unsere Investitionen in das Netz hochfahren."
Aber ein gesonderter Geldregen für die Aktionäre aus dem Verkauf der Antennenstandorte kommt nicht? Markus Rolle: Wir erhöhen die Dividende auf 0,18 Euro je Aktie von zuvor 0,17 Euro und ziehen hier zugleich eine neue Untergrenze ein. Überdies geben wir den Investoren nochmals mehr Sicherheit, indem wir die Zusage dieser Untergrenze über den aktuellen Investitionszyklus hinaus bis 2023 verlängern. […] Ist die 10-Prozent-Beteiligung an Unsere Grüne Glasfaser eigentlich eine strategische Investition oder eine Finanzanlage? Markus Rolle: Deutschland hat bei Glasfaser viel Nachholbedarf. Da ist Platz für mehrere Unternehmen. Ich sehe hier also zunächst einmal kein Risiko, das mancher schon in den Raum gestellt hat, in Gestalt eines Verdrängungswettbewerbs. Deshalb macht diese Investition für uns Sinn. Sie ist langfristiger Natur. Das ist nicht unser Renditeprofil aber sehr wohl das von Infrastrukturinvestoren. Das ist der Grund, warum wir uns für eine Minderheitsbeteiligung entschieden haben. Dabei rechnen wir langfristig mit einem sehr guten Return. Aber unser Anlagehorizont erstreckt sich erst einmal über fünf bis sechs Jahre. Gleichzeitig ergeben sich über die Kooperation weitere Vermarktungschancen in unsere große O2 Kundenbasis. Sie haben aktuell eine gegenseitige Kooperation mit Telekom und Vodafone bei so genannten „grauen Flecken“, also minderversorgten Gebieten vereinbart. Ist das ein Nullsummenspiel oder zahlen Sie irgendwelche Gebühren? Markus Rolle: Das ist tatsächlich ein Nullsummenspiel. Telekom und Vodafone hatten das bisher schon bilateral vereinbart. Wir sind jetzt – jeweils bilateral – ebenfalls mit im Boot. Es geht um ein aktives Netzwerk-Sharing, um allen unseren Kunden die bestmögliche Performance zu bieten. […]
"Mit OpenRAN machen wir uns unabhängiger und flexibler in der Lieferantenbeziehung."
Sie haben gerade auch die verstärkte Nutzung von Open RAN angekündigt. Welche finanziellen Vorteile bringt das? Markus Rolle: Wir machen uns dabei unabhängiger und flexibler in der Lieferantenbeziehung. In die Computersprache übersetzt hieße dies sinngemäß, dass man die Hardware mit einem anderen Betriebssystem bespielen kann, also zum Beispiel auf Antennen von Huawei oder Nokia auch Netztechnik von Ericsson oder ganz neuer Player aufspielen könnte. Damit können wir schneller und flexibler ausbauen. Das könnte eine neue Dynamik auf Herstellerseite und in den Innovationen erzeugen, die langfristig durchaus Ersparnisse im zweistelligen Prozentbereich liefern können. Unsere Mutter hat das schon vor längerer Zeit angestoßen, wir haben nun auch damit begonnen und wollen ab Herbst innerhalb von zwölf bis 18 Monaten die ersten 1.000-Open-RAN-Standorte bauen. Das vollständige Gespräch ist am 22. Januar 2021 in der Börsen-Zeitung erschienen.

Von: Guido Heitmann

Leiter Corporate Communications Telefónica Deutschland | Guido Heitmann ist seit Oktober 2014 Head of Corporate Communications der Telefónica Deutschland. Zuvor seit 2001 Teil des Kommunikationsteams der E-Plus Gruppe und als Abteilungsleiter und Chef vom Dienst mit seinem Team verantwortlich für die Corporate-PR-Arbeit sowie die Interne Kommunikation. Geboren in Buxtehude, Diplom-Kaufmann, und schon immer als Kommunikator tätig, zuvor unter anderem bei Hapag-Lloyd AG in Hamburg. Als Pressesprecher Ansprechpartner unter anderem für Themen wie Finanzberichterstattung, M&A, Regulierung, Business & Technology Strategy sowie Personal- und Organisationsthemen. Twitter: @gu_heitmann
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